Erzbischöfliche St.-Anna-Schule

Niemals einfach so los!

Nachlese: Das "Making Of" zur aktuellen Alpenüberquerung

Zu schnell ist auch die aktuelle Alpenüberquerung mal wieder vorbei. Das Wochenende dient der Erholung von der wie üblich nicht ganz ohne Zwischenfälle ablaufenden Bahnfahrt. Nun, wo wieder alle in den Armen der Eltern sicher im heimischen Wuppertal und der Zivilisation angekommen sind, kann man schon mal zurück blicken und zwar auf die Vorbereitung der Bergtour in der dazu gehörenden AG.

 

 Die modernen "Influencer" in den "sozialen" Medien machen nämlich vor, wie es eben nicht geht: man sieht ein schönes Bild, das irgendwer, irgendwo gemacht und gepostet hat. Und schon rennen alle dahin, um eben auch an diesem Platz ein schönes Bild, vor allem von sich zu bekommen. Man will ja mithalten. Oft entpuppt sich die dramatisch in Szene gesetzte Hängebrücke hoch über dem Abgrund aber dann doch eher als banales Bauwerk, welches lediglich einen kleinen und unspektakulär plätschernden Bach überbrückt. Und von dem 1500 m hohen Anstieg über schwer zu gehende und steile, teils ausgesetzte Pfade ist natürlich auch nicht die Rede. Und so passieren die Unfälle in den Alpen. Zu oft lässt man sich eben verleiten und blendet die Mühen einer Bergtour einfach aus. Und genau da setzt eben unsere AG an: Respekt vor der Natur, den eigenen Körper und die eigene Leistungsfähigkeit einschätzen und zu trainieren; Lernen, Dinge auszuhalten, sei es ein Schauer, durch den man muss, oder eben der steile Anstieg. Bis auf die steilen und ausgesetzten Anstiege, üben und trainieren wir das in der Alpen AG, verbunden mit allen Disziplinen, die man im Gebirge braucht, um sicher rauf und wieder runterzukommen. Die Alpen sind nun mal kein Spielplatz, auch wenn Instagram und TikTok und fragwürdige Formate im linearen TV das gelegentlich vermitteln. Was haben wir also ein Jahr vor dem Start getan, um dem entgegenzuwirken und unser Unternehmen vorzubereiten? Hier findet Ihr ein paar Eindrücke der Vorbereitung und der Planung der Tour. 

Grundtugenden: Gehen im Gelände bei Wind und Wetter

Nein, hohe Berge gibt es im Bergischen nicht. Aber wandern und seine Kondition und Durchhaltevermögen zu trainieren, das kann man auch hier und nebenbei auch noch die eigene Heimat mal von einer ganz anderen Seite kennen lernen. Größtenteils von den aktuellen Mitgliedern geplant ging es auf Pfade durchs Bergische Land, aber auch das Ruhrgebiet ist immer für eine schöne, teilweise auch anstrengende Tour gut. Und wenn man dabei zum einen natürlich seine Seilschaft für die Tour über den Alpenhauptkamm kennenlernt, wird man dabei vielleicht auch lernen, dass eine kleine Wanderung dem Kopf besser einen Durchzug verpasst, als das Daddeln mit dem Handy oder das Anschauen der 10. Netflix Serie. Und Zocken kann man eben immer noch, wenn man wieder zu Hause ist...

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Kondition und Koordination: Sport

Nicht umsonst haben wir für die Alpen AG stets die Turnhalle zur Verfügung und nicht einen banalen Klassenraum. Genau den wollen wir ja gemäß unserem Motto "Not All Classrooms Have Four Walls" eben hinter uns lassen.

In der Sporthalle wird denn auch geschwitzt: Konditionsübungen zur Steigerung der Fitness, Übungen und Einheiten zur Stärkung der Muskulatur und der Koordination lassen die Teilnehmer*innen oft erst ein wenig zweifeln, ob sie wirklich an einer AG teilnehmen, in der man Wandern geht. Aber wenn eines wichtig und unabdingbar für eine mehrwöchige Wanderung durchs Hochgebirge ist, dann ist es die körperliche und auch die mentale Fitness. Was wir da in den Bergen machen ist nun mal kein Spaziergang. Ganz im Gegenteil. Und da Katharina Meerpohl eine versierte Sportlehrerin ist, kommt die AG während der Vorbereitung in der Halle auch ordentlich ins Schwitzen. Selbstverständlich nutzen wir auch die Kletterwände in der Halle. Auch wenn wir auf der Bergtour im Sommer keine Sicherungstechniken benötigen, schult das gegenseitige Sichern auch die Teamfähigkeit. Denn auch die ist absolut nötig, wenn man mit 20 Leuten durchs Gebirge marschiert.

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Planung: Kartenlesen und Orientierung

Verlaufen und Versteigen und Verirren sind in den Alpen eine der Hauptursache für den Einsatz der Bergrettung. Wie eingangs bemerkt, sind eben die vielen schönen Bilder von dramatischen Orten zu verlockend und man läuft dann eben, unterstützt von irgendeiner App, die man aber selbst nicht versteht, einfach los und gerät dann in Bergnot.

Auch wenn wir als ausgebildete Lehrtrainer die Route von Berchtesgaden nach Lienz mittlerweile in und auswendig kennen, gehört die Tourplanung ins Pflichtprogramm einer jeden Vorbereitung. Und da ist es mehr als schön, dass wir mit der Sektion Wuppertal des DAV eine Kooperation haben. Die Sektion lässt uns nämlich nicht nur umsonst zwei Nächte auf der eigenen Elberfelder Hütte im Gößnitztal übernachten. Sie schickt uns auch mit Ernst Adam einen erfahrenen Ausbilder ins Haus, der mit den Teilnehmer*innen das 1x1 der Tourplanung durchgeht. Von der Auswahl des Tourengebietes, die korrekte (analoge) Karte, das Interpretieren und Lesen der Karte, das Einschätzen von Gefahrstellen, die Berechnung der Gehzeiten in Abhängigkeit von der Zusammensetzung der Gruppe... Ernst lässt in dieser anspruchsvollen Theorieeinheit nichts aus. Und wer gut aufpasst und versucht, das Gelernte schon im Bergischen umzusetzen, hat zumindest eine Ursache für die beliebtesten Bergunfälle schon mal einigermaßen im Griff. Und den Himmel kann er oder sie dann auch lesen! Das Gewitter kommt nun nicht mehr ganz so überraschend.

An dieser Stelle nochmals ein dickes Dankeschön an den Alpenverein Wuppertal für die tolle und wertvolle Unterstützung! Wir hoffen, dass wir dies in den kommenden Durchgängen noch weiter ausbauen können!

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Für den Fall der Fälle: Outdoor Erste Hilfe

Man will das nicht erleben. Und es muss nicht gleich der "Sittich" in die Tiefe sein: umknicken, Steinschlag, Schürfwunden, Erschöpfung, Unachtsamkeit. Wie schnell man in den Bergen einen Unfall erleiden kann, sagt die Statistik. Mehr als 300 Menschen kommen in den Bergen jedes Jahr zu Tode, die unzähligen Verletzungen nicht mit gezählt. "Im Tal" ist der Rettungsdienst innerhalb von 15 min spätestens vor Ort. In den Bergen jedoch, zumal in der abgelegen Gegend im Hochgebirge, in der wir uns bewegen, ist das jedoch keinesfalls gesichert. Ist dann auch noch schlechtes Wetter, mit Nebel, Regen oder Schnee, dann wird die Rettung eines Verletzten noch komplizierter und man ist auf sich gestellt.

Um dem ein wenig vorzubeugen, arbeiten wir seit dem Start der AG 2016 mit dem guten alten Rüdiger Edling zusammen. Der Staatlich Geprüfte Bergführer hat uns die Lehrtrainerprüfung abgenommen und ist seitdem ein treuer Begleiter unserer AG. Jedes Jahr kurz vor dem Start versammeln wir uns in seinem tibetanisch angehauchten Garten und dann gibt es geballtes Wissen über die typischen Unfälle in den Bergen. Rüdiger klärt auf, zeigt, wie man eine effektive Erstversorgung, inkl. Diagnose betreibt und natürlich wie man aus Schnürsenkeln, zwei Rucksäcken und vier Wanderstöcken eine Trage baut. So kann man den gut gegen Kälte und Auskühlung verpackten Verunfallten den Rettern zumindest ein bisschen entgegen bringen. Das alles verpackt Rüdiger stets mit einer ordentlichen Portion Ruhrgebietsschnauze und Humor, sodass dieser Nachmittag nicht nur sehr lehrreich ist, sondern immer auch großen Spaß macht. Natürlich erschöpft sich das nicht nur in Theorie und Geschichten, sondern es wird immer am lebenden Objekt geprobt und ausprobiert. Rüdiger stehen immer zwei "Opfer" zur Verfügung, die dann aus seinem Wald gerettet werden müssen. Das prägt ein und so hat man zumindest für den Fall der Fälle eine Idee, was man tun kann.

Und zur Stärkung wird jedes Mal gegrillt. Auch die Seele soll ja nicht zu kurz kommen. Rüdiger gebührt daher ebenfalls ein dickes Dankeschön, dass er diesen Termin immer irgendwie in seine eigenen Bergpläne einschiebt. Auch das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit.

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Klettern: Exkurse

Nein, wir klettern nicht wirklich auf unserer Route. Hier und da finden sich ausgesetzte Stellen, bei denen man die Hände mal zur Hilfe nehmen muss und woanders entschärft ein Stahlseil einer heikle Stelle. Aber anseilen muss man sich auf der Route nicht.

Aber: warum sollte man sowas nicht auch in die AG mit einbauen. Dieses Mal haben wir uns den Brückensteig vorgenommen. Einmal die historische Müngstener Brücke hoch und einmal wieder runter. Gesichert, sollte das kein Problem sein. Sollte, denn wer keine Ahnung hat, ob er oder sie schwindelfrei ist, oder gar an Höhenangst leidet: hier kann man das ausprobieren. Gut gesichert und unter fachkundiger Leitung erklommen die Teilnehmer*innen und die beiden zusätzlichen Begleiter das schöne Bauwerk aus Stahl und Nieten. Oben, bzw. unterhalb der Gleise angekommen, bietet sich ein phantastischer Blick ins Tal der Wupper und auf die umliegende Landschaft.

Dafür, dass wir an dieser tollen Exkursion teilnehmen konnten, danken wir dem Unternehmen sehr herzlich. Auch so eine Veranstaltung innerhalb der AG hilft dabei, ein Team aufzubauen und sich seinen eigenen Grenzen zu stellen. Die zu erleben und zu überwinden ist auch ein Teil unseres Konzepts. Und wenn wir bei solchen Unternehmungen auch noch von Veranstaltern aus dem Umfeld der Schule unterstützt werden, hilft es gleichzeitig, die Stadt und die Umgebung für die sinnvolle Gestaltung der Freizeit neu zu entdecken! Das Gute muss eben nicht immer in der Ferne liegen.

Den Link dazu findet Ihr hier:

https://www.brueckensteig.de

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Generalprobe: Von Hückeswagen nach Wipperfürth

Das eine ist eben Theorie, das andere die Praxis. Den Rucksack packen, ein bisschen wandern und zu Kaffee und Kuchen wieder am heimischen Esstisch sitzen, dürfte der übliche Ablauf sein, wenn man sich zu Fuß auf den Weg macht. In den Alpen ist das eben nicht so. Jeden Tag wird gelaufen, jeder Tag hat Auf- und Abstiege, jeden Tag muss man mehrere hundert Meter rauf und wieder runter und man liegt jeden Abend im Lager keine 50 cm weg vom Nachbarn. Da kann sich schon mal Hüttenkoller breit machen. Wirkliche Ruhe vom Mitwanderer hat man nicht wirklich. Auch das muss man wollen und dessen muss man sich klar sein, wenn man sich für unsere AG bewirbt und aufgenommen wird. Und daher machen wir stets eine sogenannte "Generalprobe", die uns dieses Jahr ausnahmsweise nicht von Radevormwald, sondern von Hückeswagen aus nach Wipperführt bringt. Kein Vergleich zu einer Tour durchs Hochgebirge. Aber mittlerweile sind die Wanderschuhe gekauft und die wollen eingelaufen werden, wir testen die Rucksäcke, unser Orientierungsvermögen, die Gehtechnik, das Gehen in der Gruppe und vor Ort bekommt man dann eine erste Idee wie zum einen ein Hüttenabend aussehen könnte und zum anderen, wie es sich eben anfühlt, wenn man am Tag drauf wieder laufen muss.

Gleichzeitig beschließt diese Tour in der Regel die Vorbereitung in der Alpen AG. Und es kann dann losgehen. Insgesamt sollte die AG einen ersten Einblick in eine der schönsten Arten seine Freizeit zu verbringen geben. Und ggf. lernt der eine oder die andere auch Alternativen zum ständigen Sitzen am Schreibtisch, vor der Konsole oder am Smartphone kennen. Alles das kann man weiter machen, allerdings bietet einem die Natur, schon draußen vor der Tür so viele Möglichkeiten, wirklich abzuschalten und das intensiv zu erleben, was den Kopf wirklich ordentlich frei macht.

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